Am Anfang eines Tanzkurses macht man sich über Tanzschuhe meistens noch keine Gedanken. Man zieht einfach die Schuhe an, die gerade passen, und los geht’s. Schließlich möchte man erst einmal ausprobieren, ob das mit dem Tanzen überhaupt etwas für einen ist. Doch irgendwann kommt der Moment, an dem man merkt: Die normalen Schuhe machen das Tanzen nicht unbedingt leichter. Die Sohle klebt am Parkett, beim Drehen bleibt der Fuß hängen oder nach ein paar Tänzen beginnen die Füße zu drücken. Spätestens dann stellt sich die Frage: Sind Tanzschuhe vielleicht doch eine gute Idee? Die Antwort lautet eindeutig: ja.
Ein guter Tanzschuh ist nämlich nicht einfach ein besonders eleganter Schuh. Er wurde dafür gemacht, dass man sich auf der Tanzfläche bewegen, drehen und das Gewicht leicht verlagern kann. Die spezielle Tanzsohle ermöglicht ein kontrolliertes Gleiten und Drehen, ohne dass man ständig das Gefühl hat, mit den Füßen am Boden festzukleben. Mittlerweile gibt es neben dem klassischen Tanzschuh eine weitere interessante Möglichkeit: den Tanzsneaker. Und gerade für Freizeittänzerinnen und Freizeittänzer kann das eine durchaus angenehme Alternative sein.
Tanzsneaker sind sportlicher, meist sehr bequem und vermitteln ein eher „leichtes“ Gefühl am Fuß. Viele Modelle besitzen eine geteilte Sohle, sodass sich der Fuß gut bewegen lässt. Wer einen sportlichen, bequemen Schuh bevorzugt oder beim Tanzen gerne etwas mehr Halt rund um den Fuß hat, kann damit sehr glücklich werden. Der klassische Tanzschuh hat dagegen seine Stärken bei Eleganz, Beweglichkeit und Drehungen. Gerade beim Standardtanzen fühlt er sich auf dem Parkett oft besonders leicht und direkt an. Auch wer Wert auf eine elegante Optik legt, wird vermutlich eher zum klassischen Tanzschuh greifen.
Was ist also besser? Beides kann richtig sein. Entscheidend ist, was man tanzt, wie man tanzt und worin man sich wohlfühlt. Für einen gemütlichen Tanzabend im Verein kann ein guter Tanzsneaker wunderbar funktionieren. Wer regelmäßig Standard und Latein tanzt und Wert auf das typische Tanzgefühl legt, wird mit einem klassischen Tanzschuh möglicherweise besser zurechtkommen. Und natürlich gilt auch hier: Ausprobieren! Der beste Schuh ist letztlich der, bei dem man nach mehreren Tänzen nicht über seine Füße nachdenkt.


Zuma Tanzsneaker von Rumpf
Klassischer Tanzschuh Brescia von Werner Kern
Und dann ist da natürlich noch die Sache mit der Bequemlichkeit. Mit 20 hat man vielleicht noch gedacht: „Die sehen toll aus, die werden schon passen.“ Mit 40+ weiß man es besser: Was beim Anprobieren drückt, wird beim Tanzen nicht plötzlich bequem. Ein Tanzschuh darf schön aussehen – aber er muss vor allem gut sitzen. Das gilt übrigens auch für den Absatz. Natürlich kann ein eleganter Absatz wunderbar aussehen und beim Tanzen eine schöne Haltung unterstützen. Aber niemand muss auf der Tanzfläche beweisen, wie hoch der Absatz sein darf. Ein stabiler, bequemer Absatz ist gerade beim Freizeittanzen oft die bessere Wahl. Schließlich möchte man nach dem Wiener Walzer noch selbstständig vom Parkett kommen.
Auch die Frage, ob Standard- oder Lateinschuhe die richtige Wahl sind, sollte man nicht unterschätzen. Langsamer Walzer, Wiener Walzer und Slowfox stellen andere Anforderungen an den Schuh als Cha-Cha-Cha, Rumba oder Jive. Wer beides regelmäßig tanzt, wird deshalb vielleicht irgendwann feststellen, dass ein einziges Paar nicht mehr für alles reichen soll. Und plötzlich stehen zwei oder drei Paar Tanzschuhe im Schrank. Auf die Frage “Warum brauchst du denn schon wieder neue Schuhe?“ gibt es dann nur eine Antwort: “Das sind keine neuen Schuhe. Das sind Lateinschuhe!“
Beim Kauf sollte man sich Zeit lassen und die Schuhe nicht nur im Sitzen betrachten. Ein paar Schritte gehen, das Gewicht verlagern, eine Drehung ausprobieren – und vor allem darauf achten, wie sich der Schuh am Fuß anfühlt. Denn der schönste Tanzschuh bringt nichts, wenn man nach zwei Tänzen nur noch an seine Füße denkt. Und noch ein wichtiger Tipp: Neue Tanzschuhe gehören nicht zum ersten Mal auf den großen Tanzball. Was im Geschäft bequem war, kann sich nach zwei Stunden Tanzen ganz anders anfühlen. Deshalb sollte man neue Schuhe vorher bei einigen Tanzabenden ausprobieren und ein wenig eintragen. Am Ende ist der richtige Tanzschuh derjenige, den man nach einiger Zeit fast vergisst. Man denkt nicht mehr über die Schuhe nach, sondern über die Musik, den nächsten Schritt und den Partner. Und wenn man nach zwei Stunden feststellt: „Was, schon so spät? Einen Tanz machen wir noch!“, dann hat man wahrscheinlich alles richtig gemacht.
